Was ist der gemeinsame Nenner jüdischer Identität? Sind Juden eine Glaubensgemeinschaft, eine Ethnie oder eine Opfergruppe? Der Kongress im Maxim Gorki Theater in Berlin wollte einen Raum der Selbstreflexion schaffen, um die Frage nach einer jüdischen Identität zu verhandeln. Er führte dazu sehr unterschiedliche in Deutschland lebende Gruppen zusammen: die sowjetischen Migranten, die Einwanderer aus Israel sowie die Juden aus der Gruppe deutscher Überlebender oder Rückkehrer. Durch das Motto „Desintegration“ wollten sich die Organisatoren bewusst von gesellschaftlichen Zuschreibungen lösen und sich gegenüber den Fremdkonstruktionen in Deutschland nach 1945 distanzieren. Der Kongress war in seiner thematischen Zuspitzung innovativ und provokant zugleich. Schon die erste Frage der Podiumsgespräche lautete: „Exorzismus: Sind die deutsche und die jüdische Seele voneinander zu trennen?“ Das Kongressformat war vielfältig, das Programm umfasste Lesungen und Streitgespräche, Performances und Workshops, Thoradiskussionen sowie Konzerte.
Die Initiatoren haben sich ausdrücklich auch an eine nicht-jüdische Öffentlichkeit gewandt und wollten ein möglichst breites Publikum erreichen. Diese Offenheit spiegelte sich wider in der Wahl des Veranstaltungsortes und der politischen Positionierung des Maxim Gorki Theaters.

Künstlerische Leitung: Max Czollek, Sasha Marianna Salzmann
Teilnehmende: Yael Almog (IL), Idil Baydar, Ljudmilla Belkin (DE/UA), Michal Bodemann, Yevgeniy Breyger, Leah Carola Czollek & Gudrun Perko (AU), Johannes Frank, Marina Frenk (DE/MD), Michel Friedman (DE/FR), Mirna Funk, Alexander Grodensky, Yuriy Gurzhy (DE/UA), Cecilia (IT) und Yair Haendler (IL), Sapir Heller (DE/IL), Tobias Herzberg, Liad Hussein (DE/US/IL/PS), Daniel Kahn (DE/US), Ijoma Mangold, Hannah Peaceman, Michael Ronen, Deniz Utlu, Till Wonka, Mehmet Yılmaz.

„Ich rei­se auf mei­ner Jid­disch­keit, wo­hin ich will …“

In unserem aktuellen Magazin diskutieren Sasha Marianna Salzmann und Max Czollek, die Künstlerischen Leiter des Desintegration-Kongresses, wie sie als junge Juden in Deutschland leben.

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Kon­takt

Maxim Gorki Theater

Am Festungsgraben 2

10117 Berlin

www.gorki.de