Zentrale Bedeutung für die Arbeit als Schriftsteller/in, aber auch für die Rezeption von Literatur besitzt der Begriff der Erfahrung: Welche Relevanz hat die eigene sexuelle Orientierung für den Umgang mit Texten? Wie finden biografische Erfahrungen in literarischen Verfahren, Formaten und Stillagen ihren Niederschlag? Und in welcher Weise wirken sich gesellschaftliches Umfeld und intellektuelle Strömungen auf die zeitgenössische Literatur Europas aus? Diesen Fragen spürte im Sommer 2016 ein Schriftstellertreffen im Literarischen Colloquium Berlin nach.
Der Titel der mehrtägigen Veranstaltung bezieht sich auf das seinerzeit Aufsehen erregende Buch „Geschichte der Empfindlichkeit, Homosexualität und Literatur“, in dem Hubert Fichte 1987 zu beantworten suchte, ob sich ein spezifischer Schreibstil homosexueller Schriftsteller identifizieren ließe. Sein Werk eröffnete Diskurse, in deren Folge seither die unterschiedlichsten Positionierungen, Selbstdefinitionen und Ästhetiken aufeinandertreffen. Autor/innen, Wissenschaftler/innen und Akteure der GLBTI-Szene aus ganz Europa waren nach Berlin eingeladen, sich in öffentlichen Foren und Gesprächen, Lesungen und Performances zu Homosexualität als einem Topos der europäischen Literatur auszutauschen. Eine begleitende Ausstellung, die unter den Leitmotiven „Maske, Körper, Schrift“ Fotografien von Leonore Mau versammelt, diente den Teilnehmer/innen als mögliche Inspirationsquelle und wird anschließend auch in Österreich und Slowenien gezeigt.

Künstlerische Leitung: Samanta Gorzelniak & Thorsten Dönges
Autor/innen: Mario Fortunato (IT), Masha Gessen (RU/US), Saleem Haddad (GB), Hilary McCollum (IE), Murathan Mungan (TR), Masha Qrella & Band, Antje Strubel, Abdella Taia (FR), Suzana Tratnik (SI), Michał Witkowski (PL) u.a.

Kon­takt

Literarisches Colloquium Berlin

Am Sandwerder 5

14109 Berlin

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