Mit der Errichtung des Fridericianums in Kassel im Jahre 1779 wurde der weltweit erste Museumsbau geschaffen, der einzig und allein der Präsentation von Kunst- und Kulturschätzen diente. Seitdem gehören Museen zu den wichtigsten Projekten namhafter Architekten. Visionäre wie Karl Friedrich Schinkel haben auf diesem Gebiet außergewöhnliche Ideen entwickelt. Nicht nur das Guggenheim-Museum von Bilbao sorgte bei traditionellen Kunstwissenschaftlern und Museologen für hitzige Diskussionen. Parallel zu vielen modernen Projekte, die seitdem folgten, entbrannte ein Architektur-Streit um das Verhältnis von Inhalt und Form. Verschwindet die Bedeutung der ausgestellten Objekte hinter einer avancierten Museumsarchitektur, die als „Metaausstellungsstück“ selbst in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt? Oder gewinnt die Kunst mit der neuen Fassade gerade an Popularität?

Im Rahmen der öffentlichen Tagung „Kontextarchitektur“ diskutierten namhafte Philosophen, Architekten und Architekturkritiker die theoretischen und praktischen Anforderungen an eine zeitgenössische Architektur für den musealen Raum. Das Sprengel Museum Hannover bietet für diese Fragen interessante Anknüpfungspunkte. Von der Architektengruppe Peter und Ursula Trint, Köln, und Dieter Quast, Heidelberg, entworfen, 1979 eröffnet und 1992 durch einen zweiten Bauabschnitt erweitert, wird das Museum von einem Konzeptionsprinzip des Dialoges zwischen „Öffnung und Schließung”, zwischen „öffentlichem Bereich und Kunstaura“ getragen.

Im Zentrum der Tagung stand die Frage nach den Anforderungen an eine Architektur für den musealen Raum. In was für einen Kontext stellt die Architektur die ausgestellte Kunst? Und in welchem Kontext steht die museale Architektur selbst? Für viele Museumsneubauten – und somit auch für den geplanten Neubau des Sprengel Museums –, geht es darum, wie die neue Architektur auf das bereits existierende Museumsgebäude reagiert und in dieses eingreift. Zur Debatte steht damit auch der Status von Architektur: Ist jedes Bauwerk Architektur? Ist jedes architektonische Werk notwendig abhängig von seinem Kontext? Bemisst sich der Wert der Architektur an ihrer Funktionstauglichkeit?

Die Tagung fand im Rahmen der Konferenz-Reihe Philosophie:Kunst statt, die die Ludwig-Maximilians-Universität München zusammen mit fünf Museen in Deutschland veranstaltet. Weitere Stationen sind Schwerin, München und Bonn. Ziel des Projekts ist es, aktuelle Fragen der Kunst in einer möglichst klaren und verständlichen Sprache zu erörtern. Dabei sollen die Methoden und Begriffe der analytischen Philosophie für das Verständnis zeitgenössischer Kunst fruchtbar gemacht werden.

Projektverantwortliche:
Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin und Prof. Dr. Jakob Steinbrenner
Lehrstuhl für Philosophie IV, Ludwig-Maximilians-Universität München

Pu­bli­ka­ti­ons­rei­he im Hat­je Cantz Ver­lag

Zu der Veranstaltungsreihe Philosophie:Kunst 2009-2011 erscheint im Hatje Cantz Verlag eine 5-bändige Publikation. Jeder Band dokumentiert je eine Veranstaltungsreihe in einem der Museen mit dem jeweiligen Schwerpunkt Design, Architektur, Original und Fälschung, Kunstvermittlung und Fotografie.

www.hatjecantz.de

Als Re­fe­rent/in­nen wa­ren ein­ge­la­den:

Dr. Christoph Baumberger vom Institut für Umweltentscheidungen der ETH Zürich, Prof. Wilfried Kühn von Kuehn Malvezzi Architects Berlin, Professor für Ausstellungsdesign und kuratorische Praxis an der HfG Karlsruhe, Dr. Niklas Maak von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Dr. Eberhard Ortland vom Institut für Philosophie der Universität Hildesheim und Prof. Dr. Ulrich Winko von der Fakultät für Architektur der Hochschule München.

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