Thomas Demand (geb. 1964) ist nicht nur Fotograf, sondern versteht sich auch als "Reproduzent" der Medien und als "Illusionist". Seine Fotografien zeigen Schauplätze von politischen oder gesellschaftlichen Ereignissen, die aus der Berichterstattung von Zeitung und Fernsehen bekannt sind. Demands Arbeiten bilden jedoch nicht die "Originalschauplätze" ab, sondern Modelle von ihnen, die der Künstler aus Pappe und Papier in Originalgröße nachbaut und abfotografiert. Dabei entfernt er alle Spuren von Ereignissen, die Anlass für die Veröffentlichung in den Medien waren, oder auch Abbildungen von Personen. Zurück bleiben Phantombilder von "Tatorten", die uns bekannt erscheinen, aber unlokalisierbar bleiben.
Die Einzelausstellung Nationalgalerie widmete sich einem thematischen Schwerpunkt in Demands Werk: Fotografien zur deutschen Geschichte seit 1945. Die Ausstellung verstand sich als methodische und systematische Erforschung unseres Deutschlandbildes an Hand von Schlüsselbildern der vergangenen sechzig Jahre.
Dieses geschichtliche Panorama lieferte Material für ein umfangreiches Rahmenprogramm, das die Kulturstiftung des Bundes im Zusammenhang der Ausstellung förderte: Wissenschaftler, Künstler und Politiker aus dem In- und Ausland sprachen über Aspekte der deutschen Kultur, Gesellschaft und Geschichte, ausgehend von jeweils einem Werk Thomas Demands. Im Zusammenspiel der Vorträge entstand eine komplexe Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Œuvre und eine dezidierte Beschäftigung mit den hierin angestoßenen Themen. Zugleich wurde ein Nachdenken über Deutschland angeregt, das nicht nur von Belang für ein spezifisches Land ist, sondern sich mit Wesenszügen unserer heutigen Zeit beschäftigt. Somit initiierte "How German is it?" auch eine Auseinandersetzung mit den möglichen Aufgaben und Spielformen einer „Nationalgalerie“
Mit der Neuen Nationalgalerie in Berlin konnte kaum ein passenderer Ort für die Schau gefunden werden, da dieser Nachkriegsbau von Mies van der Rohe an der ehemaligen innerstädtischen Grenze lange ein Wahrzeichen des Erneuerungswillens der BRD in Nachkriegszeiten war.

Künstlerische Leitung: Udo Kittelmann
Künstler: Thomas Demand
Referenten: Jacques Rancière, Herfried Münkler, Hans Jürgen Syberberg, Saskia Sassen, Gerhart Baum, Andres Veiel, Daniel Kehlmann, Adrian van Hooydonk, Astrid Proll, Julian Reichelt, Gisela Friedrichsen, Günter Wallraff, Péter Esterházy, Petra Reski, Bernhard Vogel, Erhard Eppler, Florian Henckel von Donnersmarck, Herta Müller, Güner Yasemin Balci, Joachim Gauck, Ines Geipel, Hans-Christoph Binswanger, Mathias Döpfner, Rem Koolhaas, Francesco Bandarin, Philipp Oswalt, W. Michael Blumenthal.

Kon­takt

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