Der in Karlsruhe lehrende Philosoph Byung-Chul Han charakterisiert westliche Gesellschaften als „Müdigkeitsgesellschaften“. Diese Diagnose rief das Literaturhaus Köln e.V. auf den Plan, kulturelle Interventionsmaßnahmen gegen soziale, politische und intellektuelle Müdigkeiten zu initiieren. Die erste Maßnahme unter dem Titel Wachmacher stellte die gegenwärtigen Aufbruchsignale aus dem arabischen Raum in den Mittelpunkt, ihre künstlerischen und intellektuellen Impulse. Internationale Akteure aus Literatur, Journalismus, Wissenschaft und Kunst präsentierten künstlerische Reaktionen auf die rasanten gesellschaftlichen Entwicklungen in den arabischen Ländern. Die zweite Maßnahme – Schleudertrauma – thematisierte den Zusammenhang von Leistungsdruck und gesellschaftlicher Beschleunigung mit ihren Symptomen von individueller Depression und kollektiver Müdigkeit, von politischer und sozialer Lähmung in den westlichen Gesellschaften. Eine dritte Maßnahme mündete – scheinbar paradox – in ein Plädoyer für mehr Müdigkeit, das für eine Entschleunigung eintritt, für verlangsamte Formen der Wahrnehmung, für ein Zaudern und Innehalten als Bewegung gegen den uns überfordernden Zeitgeist. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Filmen, Interventionen im öffentlichen Raum und ein Wettbewerb für Jugendliche rundeten das Festival ab, das parallel in Köln, Freiburg und Berlin stattfand.

Künstlerische Leitung: Insa Wilke, Stefanie Stegmann
Künstler/innen: Abbas Khider (IRQ/DE), Rosa Yassin Hassan (Syrien), Noémi Kiss (H), Ines Geipel, Kathrin Passig u.a.
 

Kon­takt

Literaturhaus Köln

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