Welthandel, Mäzenatentum und Sammlungsgeschichte in der Kolonialzeit am Beispiel der Kunsthalle Bremen

Die Hansestadt Bremen war im 18. und 19. Jahrhundert ein florierendes Zentrum der sich rapide ausweitenden interkontinentalen Handelsbeziehungen und Ausgangspunkt für koloniale Expansion und Ausbeutung. Aber auch die massenhafte Auswanderung im 19. Jahrhundert nahm hier ihren Anfang.
Die Gründung des Bremer Kunstvereins 1823 fällt in diese Zeit. Unter den Kunstwerken, die der Kunsthalle Bremen damals gestiftet wurden, waren allerdings nur wenige Werke außereuropäischer Kunst. Dennoch ist auch die Bremer Sammlung vom Erbe der Kolonialzeit geprägt. Die kolonialen und imperialen Spuren sind bisher jedoch eher versteckt geblieben.

Die Aufgabe des Fellows ist, diesen „blinden Fleck“ der Bremer Sammlung zu untersuchen und die Ergebnisse für eine Ausstellung aufzubereiten. Im Kontext der Postkolonialen Theorie sind in der Kunstgeschichte mittlerweile Methoden zur Erschließung verborgener kolonialer und rassistischer Zusammenhänge entwickelt worden.

Eine Debatte über interkulturelle Arbeit im Museum soll initiiert und Perspektiven für die zukünftige Präsentation der Sammlung entwickelt werden. Die Reflexion des kolonialen Erbes ist auch Anstoß, den heutigen Effekten der Globalisierung kreativ zu begegnen und Identität neu zu denken.

Mit dem Pro­gramm Fel­lowship In­ter­na­tio­na­les Mu­se­um

ermöglicht die Kulturstiftung des Bundes Gastkuratoren und Wissenschaftlern aus dem Ausland, für eine Dauer von 18 Monaten an einem Museum oder einer öffentlichen Sammlung in Deutschland zu arbeiten.

 

Ju­lia Bin­ter, Fel­low an der Kunst­hal­le Bre­men

Julia Binter (*1984) hat Kultur- und Sozialanthropologie sowie Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien und Paris studiert und promoviert zu Welthandel, kulturellem Austausch und imperialem Kontakt in Westafrika an der University of Oxford. Von 2010 bis 2013 arbeitete sie als kuratorische Assistentin am Weltmuseum Wien. Seit 2009 unterrichtet sie an der Universität Wien. In ihrer Forschung setzte sie sich bisher mit medialen Globalisierungs- und Migrationsdiskursen, Handels- und Kolonialgeschichte sowie Erinnerungskulturen und postkolonialer Theorie auseinander. An der Kunsthalle Bremen wird sie den kolonialen Blindstellen in der Sammlung nachspüren und eine Ausstellung kuratieren, die einen Diskussionsraum über Bremens koloniale Vergangenheit eröffnet.

  • Termine

    05.08. –
    19.11.2017

    Ausstellung "Der blinde Fleck. Bremen und die Kunst in der Kolonialzeit"

    Kunsthalle | Bremen

Kon­takt

Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen

Am Wall 207
28195 Bremen

www.kunsthalle-bremen.de