Initiative für ethnologische Sammlungen

Hey Hamburg, kennst Du Duala Manga Bell?

Seit 14. April istdie neue Ausstellung Hey Hamburg, kennst Du Duala Manga Bell (externer Link, öffnet neues Fenster)? des MARKK zu sehen. Die Schau greift die Themen Rassismus, Kolonialismus und Erinnerungskultur für junge Besucherinnen und Familien auf. Beleuchtet werden dabei die Lebensgeschichten der kamerunischen Königsfamilie Duala Manga Bell, die Auswirkungen des Kolonialismus und die Dynamiken von internationalen Widerstandsnetzwerken.

Die Ausstellung wird gefördert im Rahmen von MARKK in Motion, Teil der Initiative für ethnologische Sammlungen und im Programm 360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft.

Einleitung zur Initiative

Die Kulturstiftung des Bundes hat in den vergangenen Jahren bereits eine Reihe von Programmen und Initiativen auf den Weg gebracht, die Veränderungsprozesse in Museen anstoßen sollen. Die neue Initiative führt nun die im Rahmen der Projekte Museum Global (externer Link, öffnet neues Fenster) (seit 2014) und Humboldt Lab Dahlem (externer Link, öffnet neues Fenster) (2012–2015) begonnene Förderung einer zeitgemäßen und globalen Ausrichtung von Museumsammlungen fort.

Beteiligt an der Initiative für ethnologische Sammlungen sind das Hamburger MARKK - Museum am Rothenbaum, Kulturen und Künste der Welt (externer Link, öffnet neues Fenster), das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig (externer Link, öffnet neues Fenster) und das Stuttgarter Linden-Museum (externer Link, öffnet neues Fenster), alle in öffentlicher Trägerschaft und im Besitz kulturhistorisch herausragender Sammlungen. Die drei Einrichtungen haben ihre Afrika-Dauerausstellungsbereiche entweder komplett aktualisiert oder arbeiten derzeit an einer grundlegenden Erneuerung. Künftig werden die Häuser darüber hinaus neue Wege in der Kooperation mit den Herkunftsländern, bei der Erprobung neuer Formen musealer Präsentation, bei Öffnung gegenüber lokalen Stadtgesellschaften sowie in der Provenienzforschung gehen. Ergebnisse dieser Forschungsprozesse sollen in zukünftige neue Dauerausstellungen einfließen. Im Rahmen der Initiative erhalten die drei ethnologischen Museen jeweils 1 Mio. Euro über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren. Kaum eine der genannten Aufgaben lässt sich kurzerhand erfüllen. Allein schon die systematische Entwicklung und Umsetzung einer kolonialzeitlichen Provenienzforschung stellt eine Herkulesaufgabe dar, die in den Einrichtungen auf Jahre hinaus zusätzliche – vor allem personelle – Ressourcen erfordern wird. Ebenso wird die mit der Geschichte und Präsentation ethnologischer Sammlungen aufgeworfene Frage nach dem kolonialen Erbe auch auf Debatten über eine Einwanderungsgesellschaft ausstrahlen, in der das Miteinander von Menschen verschiedener Herkunft, Sprache, Weltanschauung oder Religion zu einer zentralen gesellschaftlichen Gestaltungsaufgabe werden wird. Auf diese Weise beschäftigen sich ethnologische Museen mit Fragen, die über ihre musealen Inhalte weit hinausgehen.

LindenLAB

Das Arbeitsprinzip des Labors aufgreifend, entwickelt und erprobt das Linden-Museum in acht LindenLABs neue Formen musealer Wissensproduktion, Vermittlung und Präsentation. Ausgewählte Sammlungen und Objekte helfen dabei, Aspekte gesellschaftlicher Ungleichheit und das Wirken (post-)kolonialer Strukturen im Museum zu thematisieren. Alle Labs setzen sich mit übergreifenden Themen auseinander: Praktiken ethnografischen Sammelns, kolonialzeitliche Strukturen und ihre Nachwirkungen in der Gegenwart, die Verteilung von Deutungshoheit im musealen Betrieb, die Rolle ethnologischer Museen heute. Dazu werden partizipative Formate mit der Forschung zur Herkunft der Sammlungen verbunden, um Verflechtungen offenzulegen, zu thematisieren und zu reflektieren. Im Museum entsteht so ein innovativer und experimenteller Raum, der einen intensiven Austausch mit Vertreterinnen der Herkunftsgesellschaften, Angehörigen der diversen Stuttgarter Stadtgesellschaft, Wissenschaftlerinnen, Künstlern und Gestalterinnen ermöglicht. Prozess und Ergebnisse werden ab 2020 zweimal jährlich im Lab präsentiert. Darüber hinaus werden die Ergebnisse in die neue Dauerausstellungen einfließen.

  • LAB 1: Museen und indigene Gesellschaften: Neue Formen der Zusammenarbeit / Fokus: Kayan/Kayaw (Myanmar)
  • LAB 2: Neue Wege der Provenienzforschung und deren Vermittlung / am Beispiel der für die Labs ausgewählten Sammlungsbereiche
  • LAB 3: Historische Sammlungen, Kontexte und Verbindungen / Fokus: Ozeanien
  • LAB 4: Entangled: Stuttgart — Afghanistan. Verflechtungen von Geschichte, Sammlung, Menschen / Fokus: Afghanistan
  • LAB 5: (in) Beziehungen sein / hinterfragen / lernen / aufbrechen
  • LAB 6: Neue Formen von „Erbe“ im Museum: Was bringen wir in die Zukunft? / Fokus: Kamerun, Sammlung Bertram
  • LAB 7: Shared History, Migration und Restitution / Fokus: Mapuche (Chile)
  • LAB 8: Ethnografische Eröffnungen

Weitere Infos unter www.lindenlab.de (externer Link, öffnet neues Fenster).

MARKK in Motion

Im Rahmen einer dreijährigen Forschungs-, Planungs- und Experimentierphase arbeitet das MARKK intensiv an einer Neupositionierung. Regelmäßig stattfindende Beratungsgremien mit externen Gästen sollen den Prozess durch kritische Reflexion und neue Denkanstöße begleiten. Die Erkenntnisse und Überlegungen fließen in die Konzeption der neuen Dauerausstellung ein.

Der 2019 eröffnete öffentliche Workspace „Zwischenraum – A Space Between“ (externer Link, öffnet neues Fenster) erlaubt Interessierten einen Blick hinter die Kulissen dieser laufenden Museumsarbeit. Hier wird das neue Museum erprobt und ein Raum für Diskurse und performative Momente eröffnet. Im Video Podcast (externer Link, öffnet neues Fenster) aus dem Zwischenraum erzählen u.a. Kuratoren oder die MARKK in Motion Fellows über ihre Arbeit. Drei kuratorische Forschungsfellowships und drei Kunstresidenzen sind im Rahmen des Projektes ausgeschrieben, um die Neukonzipierung mit eigenständigen Projekten mitzuprägen.

Curatorial Research Fellow 2019/20

Richard Tsogang Fossi (PhD) ist seit Mai 2019 Curatorial Research Fellow am MARKK und Teil des Kuratorenteams der Ausstellung „Hey Hamburg, kennst du Duala Manga Bell?“, die anhand transnationaler Lebensgeschichten der königlichen Familie Bell und ihrer Netzwerke von den Auswirkungen des Kolonialismus auf persönliche Lebenswege, Familiengefüge, Gesellschaftsstrukturen und von der Entwicklung transkontinentaler Widerstandsnetzwerke erzählt. Daneben arbeitete Richard Tsogang Fossi an einem Provenienzforschungsprojekt zum Nachlass des deutschen Kolonialoffiziers Hans Dominik am MARKK.

Maria Fernanda Boza Cuadros (PhD) ist eine peruanische Kulturanthropologin und historische Archäologin, ausgebildet in Peru und den Vereinigten Staaten, wo sie archäologische und bioarchäologische Projekte leitete und mitbetreute. Ihre aktuelle Forschung konzentriert sich auf die maritimen Landschaften von Arequipa im Süden Perus, insbesondere auf die Auswirkungen von Kolonialismus, Kapitalismus und technologischer Moderne auf die indigenen Gesellschaften der Region und auf die Beziehungen zwischen Mensch und Ozean seit dem 16. Jahrhundert. Ihre Arbeit wird von einem Engagement für die Aufarbeitung der andinen Vergangenheit, für Community Outreach und von einer dekolonialen Agenda geleitet.

Dr. Emelihter Kihleng war die erste kuratorische Forschungsstipendiatin am MARKK. Sie arbeitete an einem Projekt, das sich auf fotografische Porträts von Pohnpeians von Pohnpei Island, Mikronesien, während der Hamburger Südseeexpedition konzentrierte.

Artist in Residence 2020

Der Künstler und Designer Karo Akpokiere lebt zwischen Hamburg, Deutschland und Lagos, Nigeria. Sein Werk lässt die Grenzen zwischen bildender Kunst, Grafikdesign und Zeichnung verschwimmen. Akpokiere hat an Ausstellungen wie der IV. Biennale von Montevideo (2019), dem 20. Festival für zeitgenössische Kunst Sesc_Videobrasil in Sao Paulo (2017), „All of the Worlds Futures“ (La Biennale 2015) und Making Africa (2015) teilgenommen. Am MARKK ist er der Artist in Residence für die Ausstellung „Hey Hamburg, kennst du Duala Manga Bell? (externer Link, öffnet neues Fenster)“.

Weitere Infos zu MARKK in Motion

Weitere Infos unter www.markk-hamburg.de (externer Link, öffnet neues Fenster).


Die Kulturstiftung des Bundes fördert die Initiative für ethnologische Sammlungen in den Jahren 2018 bis 2022 mit Mitteln in Höhe von bis zu 3,3 Mio. Euro.

Termine

  • 9. September, 2021 bis 10. September, 2021: From Conservation to Conversation – Rethinking Collections Care

    Internationaler Workshop

    MARKK Museum am Rothenbaum, Hamburg

  • 13. August, 2021 bis 15. August, 2021: Sommerfest „Hey Hamburg Kennst Du Duala Manga Bell?“

    Aktionswochenende zur aktuellen Sonderausstellung

    MARKK Museum am Rothenbaum, Hamburg

  • 30. Juli, 2021 : Wer ist Rudolf? Online-Führung

    Führung für Familien und Kinder ab 8 Jahren, 14:00 Uhr

    MARKK Museum am Rothenbaum, Online

  • 13. Juni, 2021 : Begegnungen zwischen Nähe und Distanz, LindenLAB 4 Orient

    Führung und Gespräch mit Dr. Annette Krämer, Islamwissenschaftlerin, Orient-Referentin im Linden-Museum, 14:00–15:30 Uhr

    Linden-Museum, Orient-Ausstellung, Stuttgart

  • 30. März, 2021 : Digitale Eröffnung | LindenLAB 4 + 5

    LAB 4: Entangled: Stuttgart - Afghanistan |
    LAB 5: (in) Beziehungen

    Zoom, online

  • 19. März, 2021 : Dekolonisiert den Blick! Digitales Werkstattgespräch, LindenLAB 5

    Ab 19:30 Uhr im Livestream

    www.youtube.com/LiMuStuttgart, www.facebook.com/LindenMuseumStuttgart

  • 25. Juni, 2020 : Digitale Eröffnung des Linden-LAB 2: Objekte und Sammler - Neue Wege der Provenienzforschung und deren Vermittlung

    Ab 19 Uhr im Livestream:

    www.youtube.com/LiMuStuttgart, www.facebook.com/LindenMuseumStuttgart

  • 28. Februar, 2020 bis 29. Februar, 2020: Konferenz: Das neue Museum - Ideen für das ethnologische Museum der Zukunft

    Linden-Museum Stuttgart, Hospitalhof, Stuttgart

  • 27. Juni, 2019 bis 27. Juli, 2019: Koloniales Sehen in Farbe

    Öffentliches Gespräch mit Hanin Hannouch, Diana Natermann und Catharina Winzer / Moderation: Gabriel Schimmeroth

    MARKK - Museum am Rothenbaum, Hamburg

  • 30. Mai, 2019 : Werkstattgespräch mit No Humboldt 21

    Aktivistische Perspektiven auf ein kulturpolitisches
    Großprojekt

    MARKK - Museum am Rothenbaum, Hamburg

  • 8. Mai, 2019 : Kilel oh kapwat: Revisualizing Hambruch’s photographic portraits of Pohnpeians

    Projektvorstellung und Gespräch im Zwischenraum mit Dr. Emelihter Kihleng und Prof. Barbara Plankensteiner

    MARKK - Museum am Rothenbaum, Hamburg

  • 25. April, 2019 bis 4. Juli, 2019: Arbeiten am Monochrom

    Ausstellung "Arbeiten am Monochrom": Technik und Wahrnehmung nachkolorierter Fotografien um 1910

    MARKK - Museum am Rothenbaum, Hamburg

Kontakt

Dr. Lutz Nitsche
Kulturstiftung des Bundes

Franckeplatz 2
06110 Halle (Saale)
Tel.: +49 (0)345 2997 104
Fax.: +49 (0)345 2997 333
E-Mail an Dr. Lutz Nitsche