Bearbeitung des Bestands der Koptischen Stoffe

Als Anschauungsmaterial für die Musterateliers der Textilindustrie des 19. Jahrhunderts galt die „Chemnitzer Vorbildsammlung“ lange als einzigartig. Stoffe aus aller Welt bereicherten nicht nur das Museum, sondern auch die heimischen Produzenten. Das Textildesign jener Zeit – vom Historismus bis zum Jugendstil – wurde von diesen kunstgewerblichen Sammlungsbeständen inspiriert. Die Besonderheit der Chemnitzer Sammlung liegt in der Bandbreite der Ornamentik, des Bildprogramms und der Farben, in der Qualität ihrer technischen Ausführung und in der Vielzahl der in Wirkereitechnik, Broschierung und Lancierung nach Seidengeweben gefertigten Stoffe.

Heute, lange nach dem Niedergang der Textilindustrie in Chemnitz, haben die Stoffe aus verschiedenen Herkunftsländern ihre Bedeutung weitgehend eingebüßt. Wandbehänge, Decken oder Kleidungsstücke wie z.B. Tuniken aus Oberägypten mit wundervollen figürlichen Darstellungen lagern lichtgeschützt in Depots und geraten ungeachtet ihrer Güte und ihres historischen Werts immer mehr in Vergessenheit.

Der Fellow bearbeitete und ordnete die Sammlung der so genannten Koptischen Stoffe – spätantike Textilien des 4. bis 9. Jahrhunderts – wissenschaftlich ein, um die Exponate für die große Ausstellung anlässlich der 875-Jahrfeier der Stadt 2018 vorzubereiten. Bei den Objekten handelt es sich überwiegend um Zierstücke wie Raumtextilien oder großformatige Gewänder. Der textile Schmuck solcher Stoffe und Kleider bietet einen wichtigen Einblick in den Umgang der spätantiken Gesellschaft mit Bildern.

Das Projekt ermöglichte dem Fellow, sich mit anderen Museen wie dem Museum Kunst Palast Düsseldorf oder dem Museum für Byzantinische Kunst-Staatliche Museen Berlin auszutauschen, die gewonnenen Erkenntnisse in einen globalen Zusammenhang zu stellen und für die Chemnitzer Bestände nutzbar zu machen. Der zur Ausstellung erscheinende Katalog enthält alle Ergebnisse der wissenschaftlichen Aufarbeitung, eine Einführung in die Thematik und einen Beitrag zur Geschichte der Chemnitzer Sammlung.

Mit dem Pro­gramm Fel­lowship In­ter­na­tio­na­les Mu­se­um

ermöglicht die Kulturstiftung des Bundes Gastkuratoren und Wissenschaftlern aus dem Ausland, für eine Dauer von 18 Monaten an einem Museum oder einer öffentlichen Sammlung in Deutschland zu arbeiten.

 

Bi­an­ca Tu­dor-Vin­ther, Fel­low an den Kunst­samm­lun­gen Chem­nitz

Bianca Tudor-Vinther ist Kunsthistorikerin und hat 2008 an der Universität Georgia-Augusta in Göttingen in Ägyptologie und Koptologie promoviert. Ihre Dissertation zum Thema "Christliche funeraere Stelen der byzantinischen und arabischen Zeit aus Ägypten" erschien 2011 in Deutschland. Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet der in Ägypten ausgegrabenen archäologischen Textilien der spätantiken und frühislamischen Zeit. In den letzten Jahren nahm Bianca Tudor-Vinther an verschiedenen Kulturprojekten auf internationaler Ebene teil: So war sie wissenschaftliche Referentin einer Sonderausstellung koptischer Textilien aus der schweizerischen Privatsammlung Bouvier in Clermont-Ferrand, Frankreich, Managerin eines Projekts zur Förderung der Mehrsprachigkeit in Europa und nicht zuletzt freie Mitarbeiterin im Brüsseler Büro des Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palaestina-Flüchtlinge im Nahen Osten.

  • Termine

    11.03. –
    03.06.2018

    Exhibition

    Kunstsammlungen | Chemnitz

    11.03. –
    03.06.2018

    Ausstellung "Ägyptische Textilien spätantiker und frühislamischer Zeit"

    Kunstsammlungen | Chemnitz

Kon­takt

Kunstsammlungen Chemnitz

Theaterplatz 1
09111 Chemnitz

www.kunstsammlungen-chemnitz.de