Es gibt im Tanz zwar einheitliche Notationssysteme, aber sie sind nicht so allgemein bekannt und werden nicht so selbstverständlich angewandt wie in der Musik. Vor einigen Jahren hat der Choreograf William Forsythe in Zusammenarbeit mit dem Advanced Computing Center for the Arts and Design an der Ohio State University eine neue Herangehensweise für die Erstellung von Partituren entwickelt, die computergestütztes Design verwendet. Tanzpartituren, die auf diese Weise hergestellt wurden, können betrachtet und studiert werden, ohne dass zunächst ein spezielles Schreib- oder Notationssystem gelernt werden muss. Ein Prototyp wurde für William Forsythes Ensemblearbeit „One Flat Thing, Reproduced” entwickelt (siehe http://synchronousobjects.osu.edu).

Die Herangehensweise sah komplexe Verfahren der Computergrafik sowie digitale Video- und Animationstechnologie vor. Eine Choreografie wurde zunächst aus unterschiedlichen Perspektiven gefilmt und mit Hilfe einer entsprechenden Software analysiert. In einem weiteren Schritt fügte der Choreograf Regieanweisungen hinzu, definiert Pausen, Übergänge und Impulse, um die digitale Partitur zu vervollständigen, die dann auf motionbank.org zugänglich gemacht wurde. 

Das langfristige Ziel ist, sukzessive eine Sammlung digitaler Tanzpartituren aufzubauen, die den komplexen Aufbau von Choreografien offenlegt, es ermöglicht, dass sie zu verschiedensten Zwecken wie beispielsweise Nachinszenierungen oder Rekonstruktionen studiert, und sie auch künftigen Generationen überliefert werden können.

Die einzelnen Entwicklungs- und Forschungsschritte des Motion Bank-Projekts - von der Choreografie zur digitalen Tanzpartitur - wurden dokumentiert und an eine Fachöffentlichkeit sowie an Studierende, Lehrende, Forschende und Publikum durch eine Reihe von Workshops, Online-Berichte und öffentliche Veranstaltungen vermittelt bis hin zur Veröffentlichung der drei fertiggestellten Partituren. Gemeinsam mit Partnerinstitutionen wurden spezifische Lehrformaten entwickelt, die sich auf die praktische Anwendung digitaler Partituren beziehen.

Die Kulturstiftung des Bundes förderte das Projekt Motion Bank von William Forsythe in den Jahren 2010 bis 2013 mit insgesamt 1,4 Mio. Euro.
Weitere Informationen unter: www.dresdenfrankfurtdancecompany.com

“Li­ve & On­line 2013”

Die Veranstaltungsreihe „Live & Online 2013“ präsentierte erstmals öffentlich die Forschungsergebnisse von Motion Bank vom 28. November bis zum 1. Dezember 2013 in Frankfurt/M. Nährere Informationen zu Tagung und Begleitprogramm wie auch zum Forschungsprojekt Motion Bank finden Sie hier:

motionbank.org

Kon­takt

Antonia Lahmé
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