Ulrike Ottinger, die weltweit in Retrospektiven geehrte deutsche Autorenfilmerin („Unter Schnee“ 2011; „Taiga“ 1992; „Freak Orlando“ 1981), begab sich im ersten Teil des Projekts auf die Spuren des forschungsreisenden Literaten Adelbert von Chamisso. Chamisso – Erfinder des märchenhaften Peter Schlemihl, der seinen Schatten an den Teufel verkaufte – war von 1815 bis 1818 als Wissenschaftler an einer jahrelangen Expedition ins pazifische Nordmeer beteiligt. Ulrike Ottinger folgte seinen Spuren als Filmemacherin. Der nördliche Teil ihrer „Weltreise“ umfasste die Gebiete Kamtchatka, die Aleutischen Inseln, die Beringstraße, die Tschuktschen-Halbinsel und die Küste Alaskas. Mit den dort lebenden Küstenbewohnerinnen und -bewohnern kam Ulrike Ottinger zu einem Zeitpunkt ins Gespräch, an dem ihre Region ins Zentrum globaler wirtschaftsstrategischer Interessen rückte: In den nördlichen Pazifikregionen winken nicht allein Rohstoffreserven, sondern auch die Aussicht auf die klimawandelbedingte Öffnung einer arktischen Direktroute von Europa nach Asien.
Das im Rahmen der Expedition entstandene Filmwerk ging im zweiten Teil des Projekts in die Ausstellung "Weltreise. Forster – Humboldt  – Chamisso – Ottinger" ein, die in der Staatsbibliothek zu Berlin eine bislang einmalige Konstellation von Reisetagebüchern, Notizsammlungen und Artefakten europäischer Forschungsreisen des 18. und 19. Jahrhunderts präsentierte. Neben Dokumenten aus dem Erbe Chamissos präsentierte die Ausstellung bislang nie gezeigte Autografen von Alexander von Humboldt, ferner Georg Wilhelm Steller sowie Reinhold und Georg Forster. Leihgaben kamen zudem aus der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. Die künstlerische Leitung für die Ausstellung lag bei Ulrike Ottinger. Die Ausstellung soll anschließend in der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen in Zusammenarbeit mit der Nikolaj-Kunsthal gezeigt werden. Weitere geplante Ausstellungsorte sollen Hafenstädte entlang der historischen Reiseroute von Chamisso sein; hierzu zählen unter anderem Porto Alegre (BRA), Vancouver (CAN) sowie zudem Boston (USA). 

Künstlerische Leitung: Ulrike Ottinger
Ausstellungsleitung: Jutta Weber
Film (Regie, Buch, Kamera): Ulrike Ottinger, Sprecher: Hanns Zischler, Burghart Klaussner, Thomas Thieme, Ulrike Ottinger
Ausstellung (Konzept, Aufbau und Gestaltung): Ulrike Ottinger, Ausstellung (Kuratorin): Jutta Weber, Stimmen der Erzähler: Irm Hermann, Friedhelm Ptok, Udo Samel, Textbeiträge: Erich Kasten, Marie-Theres Federhofer, Graham Jefcoate (GB), Mathias Glaubrecht, Harry Liebersohn (US)

Blog von Ul­ri­ke Ot­tin­ger

Die Filmemacherin folgte auf ihrer Reise den nördlichen Expeditionsrouten Chamissos, Berings und Cooks. Die Eindrücke, die Ulrike Ottinger beim Dreh in Alaska, Tschukotka und Kamtchatka sammelte, hielt sie in Texten, Fotos und Zeichnungen fest.

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Bilder der Reise von Ulrike Ottinger

Impressionen aus dem Schneideraum

3. In­ter­na­tio­na­le Cha­mis­so­kon­fe­renz

Die Konferenz „Weltreisen. Aufzeichnen, aufheben, weitergeben – Forster, Humboldt, Chamisso“ fand vom 25. bis 27. Februar 2016 in der Staatsbibliothek zu Berlin statt. Weitere Informationen sowie das Programm finden Sie auf der Website der Staatsbibliothek.

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Kon­takt

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Potsdamer Straße 33

10785 Berlin

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