Die Wartburg ist ein politisch und religionsgeschichtlich aufgeladener Symbolort der Deutschen. Kurioserweise zieren Bilder der Wartburg die Wände in einem Restaurant in der afghanischen Hauptstadt Kabul mit Namen "Deutscher Hof". Diese denkwürdige Verbindung inspirierte Christian von Borries zu einer besonderen Bearbeitung von Richard Wagners "Tannhäuser" durch ein kompositorisches Verfahren, das er bereits bei seinem Aufsehen erregenden Projekt "Wagnerkomplex" (Berlin, 2003) erfolgreich anwendete. Zum neuen Textmaterial gehören Interviews mit Soldaten und Seelsorgern der Bundeswehr in Afghanistan, die rhythmisch zu Wagners Musik gesprochen werden, ähnlich den MCs im Hiphop und dem Schönbergschen Sprechgesang. Dramatischer Gegenpol zur Ordnung der Wartburg ist im Tannhäuser der Venusberg, Ort der Sehnsüchte und Verheißungen. Dem entspricht in der Bearbeitung der Einsatz von Filmmaterial aus Soap Operas, Werbung und Internet-Erotik im Kontrast zu Text und Musik.
Das ungewöhnliche Opernprojekt, das den Gleichnischarakter von Wagners Oper für die Vergegenwärtigung von Zurichtungen durch Militär und Religion nutzt, ist eine Auftragsproduktion im Rahmen des Weimarer Kunstfest pélerinages und wird in der Wartburg unter Mitwirkung der Weimarer Staatskapelle uraufgeführt.

Konzept und künstlerische Leitung: Christian von Borries
Musiker: Staatskapelle Weimar, Video: Ute Adamczewski, Sprecherin: N.N.

Kon­takt

Pèlerinages Kunstfest Weimar

Am Palais 3

99423 Weimar