In der langen Tradition musealer Praxis gelten Museen als Institutionen der Wissensvermittlung. In der klassischen Museologie ist Wissen ein vom Museum angebotenes Gut, wobei die Besucherin und der Besucher üblicherweise an die Richtigkeit dieser Informationen glaubt.

Das Museum der Dinge wird in Bezug auf Konzeption, klassifizierende Ordnungen und Wissensproduktion bereits als unkonventionelles Museum wahrgenommen. Mit dem Fellowship-Ausstellungsprojekt „Kabinett des Unbekannten“ lädt es nun die örtliche Community ein, Unbekanntes neu zu definieren und eine gemeinsame Wissensplattform zu generieren.

Der "Berliner Schlüssel" ist das 'Schlüssel'-Objekt für das partizipative Ausstellungsprojekt. Als ein in Berlin zwar bekanntes, ansonsten aber weithin unbekanntes Objekt steht dieser Schlüssel für die Verbindung zwischen Unbekanntem und Bekanntem, zwischen Innen und Außen, zwischen dem Museum und der Straße.

Die Ausstellung „Kabinett des Unbekannten“ im Museum der Dinge ist das Ergebnis eines kollektiven Auswahlprozesses und wird nicht allein von einer Kuratorin/einem Kurator konzipiert. Zu Beginn hat jedes Mitglied des Museumsteams ein 'unbekanntes' Sammlungsobjekt ausgewählt und ein 'unbekanntes' Geschäft oder eine interessante Institution in der Oranienstraße (zwischen Moritzplatz und Görlitzer Bahnhof) benannt. In vier aufeinanderfolgenden Meetings wurden dann Vertreter/innen der ausgesuchten Läden eingeladen, die bisherige Objektauswahl gemeinsam zu diskutieren, selbst ein unbekanntes Objekt auszusuchen und wiederum andere Orte zu benennen. So erweiterte sich der Kreis der beteiligten Akteure und der ausgewählten Objekte stetig. Während dieses Prozesses bewegte sich der Fokus vom Museum weg und erfasste in mehreren Stufen – einem Schneeballeffekt ähnlich – ein neues Publikum in der unmittelbaren Umgebung des Museums, in der Oranienstraße. Diese Straße kann als ein Mikrokosmos der Stadt wahrgenommen werden und spiegelt die kulturelle Vielfalt, die ein Produktivfaktor in der gemeinsamen Generierung von Wissen ist. 

Die Ausstellung „Kabinett des Unbekannten“ sowie fünf Satelliten-Präsentationen in ausgewählten Geschäften machen die Arbeit mit dem Unbekannten in der Sammlung und die neuen Vernetzungen mit der örtlichen Community sichtbar. Durch partizipative Elemente und Formate wird ein neues Verständnis für die Stellung des Museums und seiner Wissensproduktion geschaffen. Öffentliche Diskussionsveranstaltungen zur Wissensgenerierung werden immer donnerstags in den "Kabinettsführungen" sowie in den "Kabinettsgesprächen" stattfinden.

Mit dem Pro­gramm Fel­lowship In­ter­na­tio­na­les Mu­se­um

ermöglicht die Kulturstiftung des Bundes Gastkuratoren und Wissenschaftlern aus dem Ausland, für eine Dauer von 18 Monaten an einem Museum oder einer öffentlichen Sammlung in Deutschland zu arbeiten.

 

Ece Pazar­başı, Fel­low am Mu­se­um der Din­ge

Ece Pazarbaşı arbeitet an der Schnittstelle zwischen kuratorischer Praxis und künstlerischer Forschung. Zuletzt war sie Co-Kuratorin von “Everything Under the Sun Alternative Education Programme“ (2015) und Kuratorin der "Walk Over the City" Soundwalk-Serie (2013), sowie Istanbul-Koordinatorin für das New Museum - NY Ideas City (2012). Zusammen mit René Block kuratierte sie die Ausstellungen "12/12" und "Turkish Art Nice & Simple" in Tanas und Berlin (2011-2012). Sie war Assistenzkuratorin des Türkischen Pavillons der 52. Biennale von Venedig (2007), Direktorin des Festival-Programms "Meeting Point" mit Fokus auf alternativer Bildung und Künstlerresidencies (2007-2009) sowie Projektleiterin von Orhan Pamuks "Museum der Unschuld" für die Schirn Kunsthalle Frankfurt (2007-2008). 2013 war sie Stipendiatin an Prof. Olafur Eliassons Institut für Raumexperimente.

  • Termine

    28.07. –
    29.09.2017

    Ausstellung und Satellitenpräsentationen "Kabinett des Unbekannten"

    Museum der Dinge; Shops in the Oranienstraße | Berlin

Kon­takt

Werkbundarchiv e.V.
Museum der Dinge Berlin

Oranienstraße 25
10999 Berlin

www.museumderdinge.de