Kinder- und Jugendtheater aus der freien Szene und den Stadttheatern sind ein fester, doch in ihrer Bedeutung bisher wenig gewürdigter Bestandteil der Theaterlandschaft: Kinder und Jugendliche kommen durch diese „Sparte“ in der Regel erstmals mit der Kunstform Theater in Kontakt. Wie kaum eine andere Kunstform kann das Kinder- und Jugendtheater sein Publikum in seiner ästhetischen und intellektuellen Entwicklung in verschiedenen Phasen begleiten. Durch die enge Zusammenarbeit mit Schulen erreicht das Kinder- und Jugendtheater außerdem Kinder und Jugendliche mit vielfältigen sozialen Hintergründen und bringt gesellschaftlich relevante Fragestellungen altersgerecht auf die Bühne und in die Klassenzimmer. Aus dem Kreis jener jungen Theaterbesucher werden sich später einmal die verantwortlichen Akteurinnen und Akteure einer kulturinteressierten Öffentlichkeit rekrutieren.

Während das Kinder- und Jugendtheater zum Beispiel in Belgien oder Schweden eine hohe öffentliche Anerkennung genießt, mit entsprechenden Budgets ausgestattet ist und  Künstler und Künstlerinnen regelmäßig zwischen den Sparten wechseln, werden hierzulande die Strukturen innerhalb der Theater oder die finanziellen und Personalressourcen dem besonderen Stellenwert des Kinder- und Jugendtheaters und seiner kulturpolitischen Bedeutung kaum gerecht. Kinder- und Jugendtheater arbeiten mit deutlich geringerer finanzieller Ausstattung, mit schmaleren Personal- und Sachressourcen. Ob Junger Tanz, Junges Schauspiel oder Junge Oper – Künstlerinnen und Künstler verdienen im Kinder- und Jugendtheater meist weniger als die Professionellen im „Erwachsenentheater“. Diese Asymmetrie zeichnet sich bereits in den Ausbildungsstätten, in den Regie- und Schauspielschulen ab, wo es nur selten Berührungspunkte mit professioneller Arbeit für junges Publikum gibt und der Weg ins Kinder- und Jugendtheater wiederholt als Einbahnstraße für Schauspielkarrieren wahrgenommen wird. Damit korrespondiert  eine unzureichende fachöffentliche Aufmerksamkeit  gegenüber den künstlerischen Erzeugnissen und der Qualität des Kinder- und Jugendtheaters: Rezensionen zu Premieren im Kinder- und Jugendtheater sind in den Feuilletons und Fachmedien eher selten zu finden.

Vor diesem Hintergrund will die Kulturstiftung des Bundes mit ihrem bundesweiten Förderprogramm Jupiter – Darstellende Künste für junges Publikum das Kinder- und Jugendtheater in drei wesentlichen Bereichen stärken: Künstlerinnen und Künstler im Bereich Produktion, Dozentinnen und Studierende im Bereich Ausbildung, Journalistinnen und Journalisten im Bereich der Berichterstattung.

Produktionsförderung

Kernstück des Programms ist die Produktionsförderung, die den Kinder- und Jugendtheatern Kooperationsmöglichkeiten eröffnet, die neue Dimensionen der Zusammenarbeit erproben und die im Rahmen der regulären Budgets nicht realisierbar wären. Gefördert werden Produktionen mit Künstlerinnen, die bislang noch nicht bzw. kaum im Kinder- und Jugendtheater aktiv waren, Koproduktionen mit freien Gruppen oder internationalen Partnerinnen und Partnern sowie innovative spartenübergreifende Vorhaben. Kinder- und Jugendtheater sollen durch diese Förderung die Möglichkeit bekommen, modellhafte und attraktive Vorhaben zu entwickeln und umzusetzen und darüber auch mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die Qualitäten des Kinder- und Jugendtheaters zu erzielen.

Antragsberechtigt im Bereich Produktionsförderung sind Kinder- und Jugendtheater, Mehrspartentheater, Junge Tanzhäuser sowie Junge Opern mit eigener Spielstätte.

Ausbildung - Symposien, Workshops

Das Programm fördert auf mehreren Ebenen den fachlichen Austausch und kritischen Diskurs über aktuelle, auch internationale Neuansätze und Perspektiven der Kinder- und Jugendtheater. Ein öffentliches Symposium wird Vertreterinnen und Vertreter der Regie- und Schauspielschulen, Akteure des Kinder- und Jugendtheaters sowie des „Erwachsenentheaters“ zusammenbringen, um Arbeitskontakte zwischen den Theatern, den Schauspielschulen und den Verbänden zu initiieren, Netzwerke zu stärken, exzellente Produktionen zu zeigen sowie den internationalen Austausch mit Akteurinnen der Kinder- und Jugendtheater u.a. aus Schweden und Belgien zu ermöglichen. Anhand der Praxisbeispiele werden die Erfahrungen und Ergebnisse der geförderten Kinder- und Jugendtheater ausgewertet und der Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt, um die Übertragung auf andere Akteure zu ermöglichen.

Die in der Produktionsförderung geförderten Theater sollen mit Ausbildungsstätten – z.B. einer Schauspiel- oder Regieschule – zusammenarbeiten, um mit Seminaren oder Werkstattformaten einen Austausch mit Lehrenden zu initiieren und den Studierenden einen frühen Kontakt mit Kinder- und Jugendtheatern zu ermöglichen. Vertreterinnen und Vertreter der geförderten Kinder- und Jugendtheater werden zusätzlich zu regelmäßigen Arbeitstreffen eingeladen, um sich über Formate und Ideen auszutauschen sowie über weitere Projekte, Stationen für die Gastspiele oder künftige Koproduktionen etc. ins Gespräch zu kommen.

Berichterstattung - Akademieangebot für Theaterjournalisten

Um die Aufmerksamkeit der Fachöffentlichkeit für exzellente Arbeiten im Kinder- und Jugendtheater zu erhöhen, bekommen Journalistinnen die Möglichkeit, Kinder- und Jugendtheater intensiver kennenzulernen und ihre eigenen Sehgewohnheiten zu erweitern. Zu diesem Zweck wird ein Weiterbildungsangebot entwickelt, das aus voraussichtlich drei Akademien mit Aufführungsbesuchen besteht. Durch den Kontakt zu den unterschiedlichen Häusern und ausgewählten Produktionen sowie im direkten Gespräch mit Künstlerinnen und Akteuren bekommen Theaterjournalisten die Möglichkeit, die heterogene Landschaft der Kinder- und Jugendtheater, ihre Arbeitsweisen und Organisationsstrukturen, Protagonisten und ästhetischen Methoden kennenzulernen. Das Angebot richtet sich bundesweit sowohl an junge wie an erfahrene Journalistinnen und Journalisten aus den Bereichen Hörfunk, Fernsehen, Print- und Onlinemedien, die sich um die Teilnahme an der Akademie bewerben können.

Die Kulturstiftung des Bundes stellt für Jupiter bis 2026 insgesamt 3,7 Mio. Euro zur Verfügung.

För­der­grund­sät­ze für Ju­pi­ter

Die Fördergrundsätze werden im Herbst 2020 hier veröffentlicht.

Ein­sen­de­schluss Pro­duk­ti­ons­för­de­rung

Der erste Antragsschluss ist für Sommer 2021 geplant (für Projekte in den Spielzeiten 2022/2023 und 2023/2024).

 

Kon­takt

Teresa Darian

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Kulturstiftung des Bundes
Franckeplatz 2 06110 Halle (Saale)
Tel: 49 (0)345 2997 162
Fax: 49 (0)345 2997 333
E-Mail


Dr. Sebastian Brünger

Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Kulturstiftung des Bundes
Franckeplatz 2 06110 Halle (Saale)
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