Schrumpfende Städte waren lange eine Tabuthema. Schon der Begriff der Schrumpfung im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Vorgängen wirkte abstoßend. Das Thema hat dann zunächst die städtebaulichen, wohnungs- und versorgungswirtschaftlichen Debatten erreicht. Die Initiative der Kulturstiftung des Bundes rückte demgegenüber die Frage, wie die Menschen diese Entwicklung erleben und mit ihr umgehen, in den Mittelpunkt der Diskussion. Wie vielfältig die Ursachen und Erscheinungsformen, die Erfahrungen und Strategien im Umgang mit Schrumpfungsprozessen sind, zeigt der internationale Vergleich. Mit seiner internationalen Ausrichtung hat das mehrjährige Projekt Schrumpfende Städte auch dazu beigetragen, das Thema vom Stigma einer ostdeutschen Sonderentwicklung zu befreien. Insofern hat es Wirkung schon entfaltet, bevor im September 2004 seine ersten Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Der Tanz erweist sich heute als künstlerische Sparte, die zwar in der Publikumsgunst einen vorderen Platz einnimmt, in der kulturpolitischen Verteilungskonkurrenz in Deutschland aber regelmäßig ins Hintertreffen gerät. Der Tanzplan, den die Kulturstiftung des Bundes jetzt entwickelt, soll Bedingungen dafür schaffen, den Tanz in Deutschland wieder so ins Licht des kulturellen und politischen Interesses zu rücken, wie es seinem Stellenwert unter den Künsten angemessen ist. Diese beiden Großprojekte stehen beispielhaft für Initiativen, die der Stiftung ihr Profil als Mittlerin zwischen Kunst, Kultur und Politik verleihen. 

Die Beschäftigung mit der kulturellen Dimension gesellschaftlicher Entwicklungen erfordert den Blick über den Horizont der jeweils eigenen Profession. Neben Beiträgen, die in einer direkten Verbindung zu weiteren Projekten der Stiftung stehen, haben wir daher auch für die vorliegende Ausgabe wieder Fachleute gebeten, den Kulturbegriff aus der Perspektive ihres eigenen Tätigkeitsfeldes darzustellen. Diesmal geht es um die kulturellen Herausforderungen in den Naturwissenschaften und in der Ökonomie.
Die Kulturstiftung des Bundes erinnert an den Künstler Carlfriedrich Claus mit der Förderung einer großen Werkschau in Chemnitz anlässlich seines 75. Geburtstages im Jahr 2005.
Während besonders die junge Künstlergeneration Carlfriedrich Claus wieder entdeckt, ist sein Name einer breiteren Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt. Wir haben die bildkünstlerische Gestaltung dieses Magazins deshalb Künstlern übertragen, die Carlfriedrich Claus wertvolle Impulse für ihre eigenen Arbeiten verdanken: Olaf und Carsten Nicolai haben Abbildungen von Werken des Künstlers und Fotos aus seinen letzten Lebensjahren zusammengestellt. Sie würdigen den 1998 in Chemnitz verstorbenen Künstler mit einem künstlerischen Beitrag, den sie eigens für dieses Magazin gestaltet haben [Insert]. Den Kunstsammlungen Chemnitz danken wir für ihre hilfreiche Unterstützung.

Der Vorstand

Die Künstlerische Direktorin Hortensia Völckers und der Verwaltungsdirektor Alexander Farenholtz bilden gemeinsam den Vorstand der Kulturstiftung des Bundes.