Editorial Magazin 6

Hortensia Völckers, Alexander Farenholtz - Vorstand Kulturstiftung des Bundes

In diesem Magazin haben wir den Schwerpunkt auf das Thema Migration gelegt. Vor exakt 50 Jahren wurde der erste Anwerbevertrag für ausländische Arbeitnehmer zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Italien geschlossen, dem dann sehr schnell weitere Verträge mit Spanien, Griechenland, der Türkei und weiteren Staaten folgten. Mit den damals so genannten „Gastarbeitern“ begann in der Nachkriegszeit ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Migration in Deutschland. Heute leben in Deutschland mehr als 5 Millionen Menschen mit migrantischem „Hintergrund“. Viele von ihnen sind in Deutschland geboren und in die deutsche Gesellschaft hineingewachsen. Ohne die Migranten und ihre Nachkommen ist die gesellschaftliche Entwicklung in den letzten 50 Jahren nicht zu denken. Die Kulturstiftung des Bundes will mit dem Projekt Migration zu einer breiteren und differenzierten Wahrnehmung der kulturellen Auswirkungen der Migration beitragen.

Im Mai dieses Jahres wurde in Berlin das Denkmal für die ermordeten Juden Europas der Öffentlichkeit übergeben. Am Ort der Information ist eine einzigartige Sammlung von Videoaufzeichnungen zu sehen, in denen Holocaust-Überlebende über ihre persönlichen Erfahrungen als Verfolgte berichten und auch über die Schwierigkeiten, das Leben nach der Befreiung zu meistern. Durch die Förderung der Kulturstiftung des Bundes konnte ein beachtlicher Teil des Fortunoff Video Archive nach Berlin gebracht und den Besuchern zugänglich gemacht werden. Geoffrey Hartman, der Begründer des Fortunoff Video Archive, schreibt in diesem Magazin, wie das Archiv entstanden ist.

Der Osten bildete über Jahrhunderte die kulturelle Mitte Deutschlands. In einer Ausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn werden erstmals die kulturellen Leuchttürme Ostdeutschlands, die in der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen (KNK) vereinigten 23 Häuser mit kulturhistorisch bedeutsamen Sammlungen, ihre Nationalschätze zeigen und damit auch gezielt ein westdeutsches Publikum ansprechen. Der Schriftsteller Rolf Schneider markiert die herausragenden Stationen der ostelbischen Geschichte in einem Panorama, vor dem sich die Sammlungsschwerpunkte der KNK plausibel abzeichnen.

Die rekonstruierte (und restaurierte) Fassung des Filmklassikers Panzerkreuzer Potemkin von Sergej Eisenstein ist auf der letzten Berlinale mit großer Begeisterung vom Publikum aufgenommen worden. Die Kulturstiftung des Bundes wird nun ein weiteres Mal die Restaurierung eines filmischen Monumentalwerks fördern. Von Rainer Werner Fassbinders mehr als fünfzehnstündigem Film Berlin Alexanderplatz existiert derzeit keine vorführfähige Kopie mehr. Zum 60. Geburtstag des 1982 verstorbenen deutschen Ausnahme- Regisseurs im Jahr 2007 soll dessen opus magnum wieder im Kino und im Fernsehen gezeigt werden können. Verena Lueken erklärt, warum es dafür höchste Zeit ist.

Karl-Siegbert Rehberg erläutert im Rückblick auf die Ausstellung zu Bernhard Heisigs Lebenswerk den sog. Bilderstreit, dessen Kontroversen symptomatische Bedeutung für die Bearbeitung wechselseitiger Projektionen, Kränkungen und Hoffnungen, im deutschen Einigungsprozess erfuhren. Die Kulturstiftung des Bundes hat zeit ihres Bestehens eine beachtliche Reihe von Projekten der bildenden Kunst gefördert, die von Kunstvereinen initiiert wurden. Ulrike Groos weist auf die große Tradition der Kunstvereine in Deutschland hin und macht auf deren  Rolle bei der Entdeckung und Förderung junger Künstler aufmerksam.

Nachdem man auf solche Weise durch das Inhaltsverzeichnis dieses Heftes navigiert, gerät einem besonders in den Blick, was kaum eine vorangegangene Ausgabe unseres Magazins hat so deutlich werden lassen, nämlich, dass sich der Umgang mit Gegenwartskultur nicht gegen das „kulturelle Erbe“ ausspielen lässt. Das ist auch eine der Botschaften, die Hortensia Völckers in ihrem zugleich resümierenden und programmatischen Beitrag transportieren will.

Wir danken Daniela Haufe und Detlef Fiedler für die Auswahl und Zusammenstellung der Fotos in diesem Magazin, die uns DOMiT freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Sie zeigen den Alltag von Migranten, so wie sie ihn für ihre eigenen Erinnerungen festhalten wollten.

Der Vorstand

Die Künstlerische Direktorin Hortensia Völckers und der Verwaltungsdirektor Alexander Farenholtz bilden gemeinsam den Vorstand der Kulturstiftung des Bundes.

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